Girlcrush

Girlcrush #1 – Insa über das Ausbleiben der Periode (Amenorrhö)

Franzi15. April 2020

empowered women empower women – Polly und Frank (formerly Franzi) haben sich vor gut einem Jahr kennen und lieben gelernt. Arsch auf Eimer könnte man fast sagen. Das stellen wir auch heute noch in sämtlichen Situationen fest – wir ergänzen uns unfassbar gut, lernen von einander, helfen einander und wachsen miteinander.

Da kommt aber noch ganz viel Inspiration und Girlpower von außen. Frauen von denen wir lernen, die uns aus unserer Comfort Zone holen, umdenken lassen – die uns schlichtweg begeistern. Die wollen wir euch nicht länger vorenthalten und euch unsere Girlcrushes hier ab und an vorstellen. Auf dass auch ihr ganz viel Inspiration, Mut und Leidenschaft von ihnen schöpfen könnt.

Los geht’s mit Insa.

Du machst einen Blog über Frauengesundheit und Amenorrhö. Was ist die persönliche Story dahinter?

Meine persönliche Story ist, dass ich über 2 Jahre selbst von einer Amenorrhö betroffen war, also dem Ausbleiben meiner Periode. Am Anfang war mit das total unangenehm, ich war damals 28 und kannte niemanden, dem es auch so ging. Dachte ich. Denn als ich begann, über das Thema zu sprechen und mich meinen Freundinnen anzuvertrauen, erfuhr ich, wie vielen von ihnen es ähnlich geht oder ging: Unregelmäßige Perioden, Regelschmerzen, PMS, PCOS, Amenorrhö… viel mehr Mädchen und Frauen sind davon betroffen als man eigentlich denkt. 

Der offene Austausch stärkte mein Selbstbewusstsein und vertiefte auch einige meiner Freundschaftsbeziehungen. Es tat so gut endlich meine Ängste und Erfahrungen teilen zu können und diese Last nicht mehr alleine auf den Schultern tragen zu müssen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Leider höre ich bis heute oft: „Außer meinem Freund und meiner besten Freundin weiß das niemand.“ Dass es so wenig offenen Austausch dazu gibt, zeigt nur, dass das Thema Periode & Co. leider immer noch tabu ist. Wobei langsam ein Umdenken stattfindet.

Da es damals nicht so viel online zu dem Thema gab beschloss ich meinen Blog www.PrettyPrettyWell.com zu gründen. Um anderen Frauen – inklusive mir selbst – Mut zu machen, das Thema Weiblichkeit und Periode aus der Tabuzone zu befreien und das Thema Gesundheit in die eigene Hand zu nehmen. Denn man kann so viel machen, auch fernab von der Schulmedizin, deren Patentrezept oft nur das Verschreiben der Pille ist. PrettyPrettyWell.com startete also als mein digitales Gesundheitstagebuch – und ist es bis heute geblieben. Denn die Themen gehen mir nicht aus – obwohl ich es nach ein paar Monaten schaffte, meine Periode ganz natürlich und ohne Hormonergänzungstherapie zurückzubekommen! 

(Was mir dabei geholfen hat, meine Periode ganz natürlich wieder zu bekommen, habe ich in meinem E-Book „Happy Periods. Zurück zum Zyklus in 10 Schritten“ zusammengefasst.)

TIPP: Insa hat kürzlich ihr neues Ebook zu Morgenroutinen für Frauen gelaunched. Dieses Programm ist an den weiblichen Zyklus angepasst und beinhaltet Rezepte, Workoutsequenzen und Mindfulnessübungen – unbedingt reinschauen!!

Welche Rolle spielten hormonelle Verhütungsmittel bei deiner Amenorrhö?

Ich habe über Jahre hinweg hormonell verhütet, erst mit der Pille, später mit dem NuvaRing. Unter dem NuvaRing wurde meine Periode, bzw. die Abbruchblutung, die ja eigentlich gar keine richtige Periode ist, immer schwächer, bis sie dann irgendwann ganz ausblieb. Die Frauenärztin, bei der ich in Behandlung war, meinte, das wäre schon ok und normal bei schlanken Mädels in meinem Alter. So verhütete ich weitere 6 Monate mit dem NuvaRing, ohne eine Blutung zu bekommen. Ein Bluttest zeigte schließlich: meine Hormonwerte waren im Keller. 

Die Frauenärztin riet mir dazu sofort den NuvaRing abzusetzen, was ich auch tat. Innerhalb von 6 Wochen hatten sich meine Hormonwerte normalisiert – doch meine Periode sollte noch für weitere 1,5 Jahre ausbleiben. Kurz: hormonelle Verhütungsmittel haben sicherlich einen Teil dazu beigetragen, dass meine Periode ausblieb. Aber auch andere Faktoren wie meine Ernährung, mein Sportprogramm und die Beschäftigung mit meiner Weiblichkeit spielten eine große Rolle dabei. 

Wie ging es dir körperlich nach dem Absetzen und mit deiner Amenorrhö?

Ich hatte wahnsinnige Angst vor dem Absetzen des NuvaRings, da ich früher bei einem Pillenwechsel schon mal sehr unangenehme Erfahrungen mit unreiner Haut gemacht hatte. Doch meine Angst stellte sich als unbegründet heraus. Bis auf ein paar Pickelchen ging es mir blendend. Es war Frühling und ich hatte Lust auf das Leben und die Liebe, auszugehen, zu tanzen, Musik zu hören… ich war ständig unterwegs und kostete das Leben in vollen Zügen aus. Auch meine Libido erwachte aus dem Winterschlaf.Lediglich mein Gewicht war ein Thema. In recht kurzer Zeit verlor ich 2 kg, wahrscheinlich aus Wassereinlagerungen, so dass ich eine Zeitlang doch recht dünn war mit einem BMI von ca. 19. 

Hattest du durch die Amenorrhö Angst davor, keine Kinder bekommen zu können?

Ich hatte es nie so eilig, jung Mutter zu werden. Ich wollte Karriere machen, die Welt entdecken, mich selbst finden… doch natürlich schwebt die Amenorrhö wie ein dunkler Schatten ständig über einem. Jedes Mal, wenn ich eine schwangere Frau sah, oder von Freundinnen nach einem OB gefragt wurde, versetzte es mir einen Stich und ich fühlte mich „mangelhaft“. Imperfekt. Ich verdammte meinen Körper, anstatt seine brillante Intelligenz zu bemerken, mit der er mir die ganze Zeit einen Schubs in Richtung Gesundheit weisen wollte. 

Foto Insa Eisenberg.
Was hat die Amenorrhö mental mit dir gemacht?

Lange Zeit verdrängte ich das Thema einfach. Ich hatte viel zu tun, jettete für meinen Job um die Welt und fühlte mich gut. Schließlich ist es leichter, etwas zu ignorieren, was nicht da ist, als etwas, das einem Schmerzen bereit. Ein Phantom Symptom sozusagen. Und so präsent ist das Thema Periode ja auch nicht in unserem täglichen Leben, bis auf die gerade beschriebenen Situationen mit Schwangeren oder Tampons. 

Doch je länger meine Amenorrhö anhielt, desto mehr wurde die Stimme in mir lauter, die sagte: „So geht das nicht weiter. Du musst dich darum kümmern gesund zu werden.“ Am zweijährigen Geburtstag meiner Amenorrhö traf ich dann den Entschluss: Jetzt packe ich das an. Meine Gesundheit wird ab jetzt meine Priorität Nummer 1! Und so war es dann auch. 

Dieses Aktiv-Werden stärkte mein Selbstbewusstsein – endlich war ich nicht mehr das Opfer, sondern konnte etwas tun. Ich bin überzeugt davon, dass das Erkennen der erste Schritt zur Heilung ist. Von da an ging es bergauf. 

Zwei Jahre keine Periode – war das auch eine Befreiung?

Irgendwie ja. Wie gesagt, mir ging es schließlich super. Und erst nachdem ich meinen normalen Zyklus zurückhatte, merke ich, was es eigentlich bedeutet, wenn man jeden Monat die Östrogen- und Progersteron-Achterbahn fährt. 

Ich genieße es, meinen Körper zu beobachten und versuche darauf zu achten, ihn optimal für seine jeweilige Zyklusphase zu unterstützen. Das geht zum Beispiel mit Seed Cycling– ein super spannendes Thema wie ich finde. 

Warum wolltest du schließlich doch deine Regel zurückhaben?

Mit einer Amenorrhö ist nicht zu spaßen. Klar, man hat den Vorteil, auf die nervige Blutung, PMS & Co. zu verzichten. Doch ein niedriger Östrogenspiegel geht auch mit einem erhöhten Risiko für Osteoporose, Depressionen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher. Wir Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter brauchen unsere Periode, um gesund zu sein. Deswegen wollte ich sie zurück. Und natürlich für den Fall, dass ich irgendwann einmal Kinder haben möchte.

Was hast Du aus der Erfahrung der Amenorrhö und der Rückkehr der Periode gelernt?

Ich habe gelernt, wie toll unser Körper ist und dass er die ganze Zeit mit uns spricht, wenn man denn nur lernt zuzuhören. 

Ich habe gelernt, langsamer zu machen und auf mich zu achten, meine rigide Selbstdisziplin zu hinterfragen, meine Weiblichkeit neu zu entdecken und mehr über meine Ernährung zu lernen. 

Ich habe wahnsinnig tolle Leute kennengelernt, von denen einige zu guten Freunden geworden sind.

Ich habe gelernt, wie sehr ich es liebe zu schreiben und mich kreativ auszudrücken und wie sehr mir das lange Zeit gefehlt hat. 

Ich habe gemerkt, dass ich in einer Beziehung feststeckte, in der ich nicht mehr glücklich war. Und habe meine Konsequenzen gezogen. 

Ich bin umgezogen, habe meinen neuen Freund kennengelernt, meinen Job gewechselt, meine Werte neu definiert und eine Yoga Lehrer Ausbildung gemacht. Ich habe Hormon Yoga kennengelernt und angefangen zu meditieren. 

Heute fühle ich mich lebendiger denn je. Und das habe ich tatsächlich zu einem großen Teil meiner Amenorrhö zu verdanken, beziehungsweise dem Ruf meines Körpers, dem ich folgte. 

Was ist deine Vision für deinen Blog?

Auf PrettyPrettyWell.com teile ich meine Amenorrhö Heilungsgeschichte sowie andere Themen, die mich beschäftigen rund um Hormonbalance, Weiblichkeit und Selbstfindung. In letzter Zeit geht es auch viel um Biohacking und Sport, denn ich liebe Sport und probiere gerade aus, einen gesunden Mix für mich zu finden, der meinen Zyklus eher unterstützt und nicht durcheinanderbringt.

Meine Vision: Mit PrettyPrettyWell.com möchte ich weiterhin Frauen bestärken, ihre Gesundheit in die eigene Hand zu nehmen und selbst etwas fürs eigene Wohlbefinden zu tun. Eine Art Health Empowerment sozusagen. 

Foto Volker Pilz.

Du hast eine spannende Geschichte zu erzählen? Inspirierst die Menschen in deinem Umkreis? Oder bist ein “be-the-change-you-wish-to-see-in-this-world”-Girl? Schreib uns – wir wollen dich kennenlernen!

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